H 20/21

Ausstellungsdauer: 17. Juni bis 8. Juli 2007
Eröffnung: Samstag, den 16. Juni 2007 um 19.30 Uhr
Einführung: Jochen Heufelder, Leiter der Fuhrwerkswaage Kunstraum, Köln
Finissage: Sonntag, den 8. Juli 2007

 

 

Torsionsbeflügelung – oder: Nach dem Knall

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Gewiß, sie werden überrascht gewesen sein beim Betreten dieser Halle, die Sie ja größtenteils vorher nicht kannten. Eine weitestgehend geleerte Produktionshalle in besenreinem Zustand! Spuren der Zeit aber auch einer vormaligen Nutzung sind nicht zu übersehen. Kein Zweifel: Dies ist eine Übergangssituation.

Und mittendrin eine raumgreifende Konstellation unterschiedlichster Materialien. Ein dreischichtiges Gebilde, zuunterst bestehend aus Gerüststellagen, darauf ruhend mehrere Holz-Träger und letztlich obenauf lagernde Balken, Latten, Schalbretter und Verlegeplatten. Die Materialien erinnern an eine Baustelle. Die Anordnung wirkt zunächst vielleicht ein wenig zufällig, doch beim zweiten Blick ist die vorsätzlich gefügte Kombinationen der Holzelemente erkennbar, deren Anordnung und Lage eher Resultat einer Konzeption denn des Zufalls sind. Zu sehr sind einzelne Partien ausbalanciert. Schon die Plazierung im Raum, eine gelungene Positionierung nicht im geographischen, sondern im emotionalen Mittelpunkt, mit ausgewogenen Abständen zu den Seiten, ist Beleg für ein sensibles Einfinden in die hiesige architekturale Situation mit ihren spezifischen Konditionen. Kai Richter, ein noch junger Künstler, hat Kontakt mit dem Raum aufgenommen und ihm seine Reaktion entgegengesetzt.

Beim Umkreisen seiner Arbeit – was ich Ihnen empfehle, meine Damen und Herren – wird dies deutlich. Bewegen Sie sich um das Kunstwerk! Langsam, beobachtend - und dabei immer wieder die Korrespondenz von Kunstwerk und Raum auslotend. Beachten Sie dabei auch die Positionierung unter einem der beiden Sheetdach-Segmente. Hier steht das größte kompakte Raumvolumen zur Verfügung und konsequent öffnet sich nach oben die weit ausgreifende Balkenkonstellation.

Richters Arbeit lebt von Gegensätzen. Schon der genannte dreischichtige Aufbau ist in sich kontrastreich. Die Gerüste im unteren Bereich wirken statisch, ruhig und angeordnet. Die darüber befindlichen H-20-Balken hingegen scheinen in ihrer Lage eher beiläufig plaziert, denn geplant positioniert. Und aus der verdichteten dritten Ebene entspringend fächert sich völlig ungeordnet die weithin sichtbare Kombination von Balken und Schichtholztafeln-, also von linearen und flächigen Elementen auf. Die Balken, an den Enden beträchtlich an Höhe gewinnend, nehmen sogar vereinzelt Kontakt mit der Dachkonstruktion auf.

Das explosionsartige Auseinanderstreben nahezu aller Bestandteile wirkt wie unmittelbar nach dem Knall eingefroren und fixiert. Der Moment in dem sich die Stille nahezu übermächtig aufdrängt. …

 

Auszug aus der Ansprache anlässlich der Eröffnung der Ausstellung von Kai Richter – 16.6.2007 im Kunstverein MMIII – Mönchengladbach

Jochen Heufelder