Zeitgenössische Positionen zwischen Seelenheil und Apokalypse

Ausstellungsdauer: 9. April bis 7. Mai 2006
Eröffnung: Samstag, den 8. April 2006, 19.30 Uhr
Kurator: Ulrike Jagla-Blankenberg
Einführung: Dr. Annelie Pohlen, Bonn
Finissage: Sonntag, den 7. Mai 2006

 

 

Zeitgenössische Positionen zwischen Seelenheil und Apokalypse

Mit Gerd Bonfert (Fotografie), Helmut Brosch (Skulptur, Installation), Andrew Gilbert (Zeichnung, Installation), Leiko Ikemura (Skulptur, Installation), Katharina Jahnke (Skulptur, Zeichnung, Installation), Hentie van der Merwe (Zeichnung), Horst Münch (Skulptur, Video, Zeichnung), Ulrike Nattermüller (Malerei), Volker Saul (Wandmalerei, Zeichnung), Markus Selg (Computerprint/Collage) und Tim Berresheim (Computerprint/Malerei).

Die Apokalypse als christliche Vision von Zerstörung und Weltgericht und damit universelles Bild existentieller Demonstration kursiert gerade in letzter Zeit als bevorzugte „Spielwiese“ größerer wie kleinerer „Kunstshows“. Die Ausstellung „Psycho. Zeitgenössische Positionen zwischen Seelenheil und Apokalypse“ trägt den Begriff Apokalypse daher „nur“ im Untertitel. Das Projekt versteht sich weniger als kunstinterne und damit „hausgemachte Schreckensbotschaft“. Weder gilt es den Niedergang und Aufschwung zu deklarieren noch den Status quo im Kunstdiskurs. Im Gegenteil: Der Mensch mit Blick auf seine Umgebung „richtet sich ein“ und taumelt dabei zwischen „eigenen Dateien“, Informationsflut und Bilder-Kollaps.

Volker Saul, Körperwechsler, Wandmalerei im MMIIIZwischen Seelenheil und Apokalypse. „Lost paradise“ oder „private playgrounds“: dieser diametrale Spannungsbogen zwischen Lust und Verlust, zwischen universaler Bedrohung und existentieller Verarbeitung bestimmt die Ausstellung. Welche Bilder, Mythen und Sensationen, aber vor allem welche Strategien und Wahrnehmungsweisen setzen wir der Realität entgegen? Wie leise, laut, hysterisch, wie radikal oder verspielt halten Künstler heute einer Wirklichkeit stand, die sie immer noch – oder gerade jetzt – dazu anhält, neue Bildwelten zu (de-)generieren? Wie verhält es sich mit diesen für uns so lebenswichtigen Markierungen auf dem Terrain von Informationskollaps, von körperlicher wie seelischer Hightech-Ästhetik, von Anschlag- und Attacken-Terror, von Länder- und Medienkriegen sowie dem eigenen, persönlichen Krieg? Und wie sieht es mit dem inneren Frieden aus, welche Möglichkeiten des Rückzugs bieten sich an zwischen Identifikation, Distanz und Resignation?

Die Ausstellung zeigt ein offenes Arrangement von sehr persönlichen Sichtweisen der Künstler auf absurde Schieflagen im Spannungsfeld von (Welt-)Öffentlichkeit und Individuum. Dabei werden „Zwischenzonen“ der subjektiven Wahrnehmung ins nähere Blickfeld gerückt. Als zeitrelevante Projektionen generieren sie gleichermaßen reale und surreale Bannkreise wie mediale und virtuelle Zonen. In diesem Sinne lassen die Werke der Ausstellung die zu Grunde liegenden Kräfte wirken und als formale wie inhaltliche Mächte direkt aufeinander prallen: Aggression und Ursprungsreferenz, Demonstration und Poesie, Cyber-Sex und neue Häuslichkeit. Dies alles unter ironischem Blickwinkel oder in fatalistischer Musterung. Zwischen assoziationsstarker Abstraktion und fragmentarischer Etappe wird auch die konkrete Referenz nicht gescheut. Die Ausstellungspräsentation strebt somit eine offene Raumsituation an, in der die einzelnen Werke der Künstlerinnen und Künstler „nah aneinander rücken“ oder sogar als übergreifende Installationen präsentiert werden. Dies impliziert nicht nur in räumlicher Hinsicht ein hermetisches Szenarium, sondern schafft auch thematisch ein dichtes Netzwerk von Überleitungen, Zusammenhängen und Kontrasten. „Auratische“ Hängungen sollen dabei bewusst vermieden werden zugunsten einer kompakten Spiegelung von Gegensätzen und Widersprüchen.

Text: Ulrike Jagla- Blankenburg

Katalog: Zur Ausstellung erschien ein Katalog von ca. 60 Seiten (davon ca. 20 Seiten Abbildungen) mit einem einführenden Essay von Wolfgang Martin und Aufsätzen zu jedem Künstler.

Sponsoren: Ausstellung und Katalog mit freundlicher Unterstützung der Warsteiner Brauerei und Matthias Harzheim, Köln