JA Moenchengladbach „it is you. (that counts) (most)“

Ausstellungsdauer: 28. März bis 2. Mai 2004
Eröffnung: Samstag, den 27. März 2004
Einführung: Claudia Seidel, Kunstsammlung DaimlerChrysler
Finissage: Sonntag, den 2. Mai 2004

 

 

…ein wenig atemlos – vielleicht sogar etwas aufgelöst, stehen wir hier nun alle zusammen: Hier an diesem Ort, auf einer abfallenden Ebene, die nach dem Willen der Künstlerin Simone Westerwinter so eingebaut und mit einem Teppich in Karomuster ausgelegt wurde…  vergegenwärtigen wir uns nochmals das eben Geschehene:

Auf höfliche und motivierende Einladung der Künstlerin haben wir uns GEMEINSAM zu einer Polonaise zusammengeschlossen, die die Räume des Kunstvereins komplett in Beschlag genommen hat…zwischen ausgelassenem Vergnügen und sozialem Zwang, bewegen uns zwischen Disco und Bierzelt, Bushaltestelle und Stau, militärischer und militanter Disziplinierung. Die Aktion ist die künstlerische Analyse eines Ordnungswillens, der dem Menschlichen implizit gegeben scheint…

Mehr oder weniger befremdlich für manche der hier Anwesenden mag die schiefe Ebene sein, auf der wir nun stehen. Ein schiefer, abfallender Boden ist nichts anderes als aus seiner gewohnten Wahrnehmung VER-RÜCKT. Er ist aus seiner gewohnten Einordnung in das, was konventionell einen Raum strukturiert, heraus gehoben und dahingehend entfremdet worden. Auch diese Hürde der Befremdlichkeit haben wir in der GEMEINSAMEN FORM überwunden…
…JA als Bekenntnis. Und so wie Simone Westerwinter das Wort einsetzt, ein wörtliches Bekenntnis zur Kunst. Alle ihre JA-Arbeiten haben als Hauptmotiv ein deutliches „Ja“, das in Malerei, Zeichnung, Graphik, Tätowierung oder Installation ausgeführt wird. In seiner Präsenz zeigt das JA eine konkrete Entscheidung an…Ohne ein JA, einen Beschluss, einer Zustimmung, ja, einer positiven Einstellung, ergibt sich nichts, entfaltet sich keine Dynamik, herrscht Stillstand. Somit ist das JA ebenfalls eine FORM und, auf jeden Fall wie das Karo auch, strukturbildend.
Wenn wir uns … der Werkgruppe der Namensaquarelle zuwenden, so entdecken wir in den Arbeiten ebenfalls zwei, die Kunst Simone Westerwinters konstituierende Elemente: NORM und FORM.

Die Namensaquarelle sind reine Auftragswerke. Anders als das üblicherweise in Auftrag gegebene Porträt, welches die Person häufig figürlich und in idealisierter Weise wiedergibt, arbeitet Simone Westerwinter mit festen Parametern: Statt dem figürlichen Abbild sind bei den Namensaquarellen der jeweilige Nachname der Person, bzw. der Name der Institution stellvertretend. Die Namen werden immer gleich zentriert in der Schrifttype ‚Helvetica normal kursiv’ auf das Format in ausgesparter Form gesetzt. Aus einem Spektrum von insgesamt 110 Aquarellfarben können die Auftraggeber ihre Farbe frei wählen, die den formatfüllenden Hintergrund ihres Namens bilden…

Textauszug (Claudia Seidel)

Simone Westerwinter, Jahrgang 1960, in Stuttgart geboren, lebt und arbeitet dort.